Neugestaltung der Innenstadt Mengen

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© 2012  BHM Mengens neue Hauptstraße 

© 2012  BHM Bushaltestelle am Riedlinger Tor 

© 2012  BHM Stelen erinnern an die historischen Stadteingangstore -hier am Riedlinger Tor 

© 2012  BHM Spurennahme zur Oberflächengestaltung des Brunnens am Fuhrmannstag 

© 2012  BHM Detailaufnahme der Brunnenoberfläche 

© 2012  BHM Kirche und Brunnen in der Abenddämmerung 

© 2012  BHM Fassadenbeleuchtung in der Innenstadt 

©  bhmp Neugestaltung der Innenstadt Mengen 

©  bhmp Neugestaltung der Innenstadt Mengen 

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Neugestaltung der Innenstadt Mengen


Die Hauptstraße mit ihrer charakteristischen mäandrierenden Form wird wie ein steinernes Flussbett in einem durchgängigen Natursteinbelag aus hellem Granit gestaltet. Der Stadtboden aus Naturstein stärkt die Ablesbarkeit des Stadtgrundrisses und verleiht der Altstadt eine durchgängige Identität.

Früher wie heute gilt Mengen im Kreis Sigmaringen, als wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Die rund 10.000 Einwohner fassende Stadt blickt dabei auf eine lange Geschichte zurück. Während bereits zu Zeiten der Römer erste Transversalen das heutige Stadtgebiet kreuzten, erlang die Stadt vor allem im Mittelalter, als bedeutender Handels- und Verkehrsknotenpunkt, Berühmtheit. Dies brachte der Stadt den Beiname „Fuhrmannsstadt“ ein.

Struktureller Wandel
Auch heute noch ist Mengen an eine Vielzahl von Straßen gebunden, welche die Verbindung zu den größeren, umliegenden Städten ermöglichen. Doch vor wenigen Jahren wurde die Bundesstraße 32, die das Stadtzentrum durchquerte, verlegt. Der Wegfall des Durchgangsverkehrs bot Mengen die Möglichkeit, dem Leerstand und Zerfall entgegenzuwirken und die Stadt mit Leben zu füllen.
Die Umgestaltung der Innenstadt sollte die gewünschte Veränderung bringen. Von vornherein stand dabei nicht nur eine kosmetische Generalüberholung, sondern vor allem ein ganzheitliches Konzept zur Revitalisierung des städtischen Lebens im Fokus. Besonderes Augenmerk galt der Einzigartigkeit und Besonderheit der Fuhrmannsstadt. Diese griff man bewusst auf, um die Alleinstellungsmerkmale zum zentralen Element eines zukunftsweisenden, ganzheitlichen Konzeptes zu machen. Die historischen Gebäude, Brunnen und Stadteingänge sollten weiterhin das Stadtbild prägen, gleichzeitig aber auch als Kulisse für das städtische Leben dienen, es fördern und ihm neue Anreize verschaffen. Bewusst entschied man sich daher, die vorherrschenden Materialien aufzugreifen und den zahlreichen Besonderheiten durch eine einheitliche Materialsprache Raum zu verschaffen.

Sorgfältige Materialwahl und Ausführung
Die sorgfältige Auswahl der Materialien und Ausstattungselemente begann schon beim Bodenbelag. Dieser wird von einem ruhigen, hellen Grau mit interessantem Farbspiel dominiert, welches unaufgeregt dem bunten Treiben seinen Raum lässt. Als verbindendes Element konzipiert, welches die einzelnen Teilbereiche der Innenstadt miteinander verknüpft, „schlängelt“ sich der steinerne Fluss über Straßen, Fußgängerwege und Plätze und gibt Mengens Innenstadt den Raum den sie benötigt. Der Bedeutung der Stadt angemessen sollte er sein, die mit den historischen Fachwerkhäusern einiges an Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat. Deren Fassaden werden in Form von durchlaufenden Fugen im Bodenbelag miteinander verbunden. Große Sorgfalt galt sowohl der Materialwahl, der Verarbeitung und der Ausführung. Bewusst entschied man sich daher für Flossenbürger Granit aus dem bayrischen Wald. Dieser wirkt edel, passt sich optisch aber wie selbstverständlich in den Bestand ein und bringt die unterschiedlichen Facetten der Stadt zur Geltung. Dank des Lapis perfectus eignet sich der Stein sowohl für den Fußgängerverkehr einer Innenstadt und erfüllt zudem alle notwendigen Anforderungen für Verkehrsflächen,- vor allem für den Schwerlastverkehr. Diese speziell geformte, an der Oberseite gefräste Scheinfuge verhindert ihre Aufweitung und die typischen, über Jahre hinweg eintretende Verschiebungen des Pflasterbelages. Aufmerksamkeit kam neben der kraftschlüssigen Verbindung der Pflastersteine auch dem Aufbau der Tragschichten zu, während bei der Verarbeitung des Steins Jahrhunderte alte Traditionen zum Einsatz kamen. Über Generationen vererbte Handwerkskunst und alte Bearbeitungstechniken zeigen erneut den ingeneurstechnischen Anspruch an das Projekt. Alle Richtungsänderungen in den Belagsflächen wurden beispielsweise mittels Schmiegetechnik realisiert. Neben optischen und haptischen Eigenschaften bot der bayrische Granit nicht zuletzt auch in wirtschaftlicher und nachhaltiger Hinsicht einige Vorteile. Kurze Lieferwege und ständige Kontrollen ermöglichten ein hohes Maß an Flexibilität und Qualität. Zeitnah konnte nachgeliefert und auf Probleme während der Bauphase eingegangen werden. Auch bei einem weiteren Gestaltungselement spielte dies eine wichtige Rolle. Naturstein kam auch für die in Gruppen platzierten Sitzkiesel zum Einsatz. Neben zahlreichen Bänken kann man sich auf den polierten Findlingen vom Stadtbummel erholen. Ein ganz besonderes Gestaltungsdetail ist der neu geschaffenen Fuhrmannsbrunnen, der den historischen Bezug zur Fuhrmannsstadt aufgreift und neu interpretiert. Bei seiner Gestaltung wurde erneut auf alte Handwerkskunst zurückgegriffen. In einer großen Zeremonie wurden Abdrücke von Ross, Reiter und Kutsche genommen, welche heute die Oberfläche des Brunnens zieren. Die gusseiserne Deckplatte verschönern zudem Inschriften in Form von Zitaten aus dem bunten Alltagsleben der Stadt. Auch die Glasscheiben des Buswartehäuschens wurden mit historischen Wagenradmotiven verschönert. Eine e-Bike-Station, ein Bücherschrank und die Inszenierung der historischen Stadttore in Form von Lichtstelen setzten zusätzliche Akzente und machen die Einzigartigkeit und Individualität des Stadtraumes deutlich. Das ausgeklügelte Lichtkonzept erhält nicht nur aufgrund seiner Effizienz positive Kritik. Die bewusst hellere Ausleuchtung von Verkehrsflächen und die dezent, atmosphärische Beleuchtung der Treffpunkte schafft zugleich Sicherheit und Aufenthaltsqualität. Alle Lampen werden zeitgemäß mit LED-Technologie betrieben. Neuartig ist auch der Einsatz sogenannter Gobo-Strahler, die zur Beleuchtung der historischen Fassaden zum Einsatz kamen. Mittels speziell angepassten Schablonen können beispielsweise Fester von der Ausleuchtung ausgespart werden, während die Fassade vollflächig ausgeleuchtet wird. Diese neuartige Technologie minimiert Nutzerkonflikte und dämmt die Lichtverschmutzung ein.

Attraktiver Anziehungspunkt
Neben der gestalterischen Verschönerung erlebte Mengen vor allem eine kulturelle und stadtbildprägende Aufwertung. Die Umgestaltung der Innenstadt zog wieder Menschen ins Zentrum, wo sich ein florierendes Stadtleben mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten etablierte. Mit einem eigens geschriebenen Theaterstück, regelmäßigen Festen und dem neu geschaffenen, jährlich statt findenden Fuhrmannstag machen sich die Mengener seither ihre Innenstadt zu Eigen. Mittlerweile hat die Umgestaltung der Innenstadt einen strukturellen Wandel ausgelöst. Sie diente als Grundstein für den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Wo das Stadtbild nach der Verlegung der Bundesstraße vom Leerstand geprägt war, floriert heute das gesellschaftliche Leben der Stadt. Das neugewonnene Lebensgefühl sorgte nicht zuletzt für einen positiven Imagewechsel der Stadt.

Bürgerbeteiligung und Veranstaltungen
Schon während der Planungsphase wurden die Anwohner integriert. In zahlreichen Gesprächen wurden sie über die Maßnahme informiert und konnten ihre Bedenken, Wünsche und Anregungen loswerden. Die Umsetzung der Maßnahme wurde bewusste in den laufenden Betrieb einer Innenstadt integriert. So konnten Passanten den Baufortschritt uneingeschränkt miterleben. Ein Baustellenbüro versorgte Interessierte zeitnah mit aktuellen Informationen rund um den Baufortschritt und diente als Anlaufstelle für alle Beteiligten.

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Sigurd Karl Henne, Christian Wild, Andreas Schenk

 


Planungsbeteiligte Partner • Bauausführende Firmen


GERHARDT.Stadtplaner.Architekten, Karlsruhe



Kovacic Ingenieure, Sigmaringen

Planung

bhm Bresch Henne Mühlinghaus
Geschäftsführer: Dipl.-Ing. Jochen Bresch, Prof. Dipl.-Ing. Sigurd Karl Henne

Heinrich-Hertz-Straße 9
76646 Bruchsal


Projektinformationen

Projektzeitraum
08/2010 - 02/2012, Baubeginn

Größe
15.000 m²

Bausumme
5.600.000 €

Auftraggeber • Bauherr
Stadt Mengen

Adresse
Hauptstraße
88512 Mengen


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