Blick vom neugestalteten Garten zur Neuwerkkirche © 2025 Schoelkopf
Ein zur EXPO 2000 errichteter und nun in die Jahre gekommener Heilpflanzen-Schaugarten wurde wiederbelebt und aktuellen Anforderungen angepasst. Er befindet sich am denkmalgeschützten ehemaligen Nonnenkloster „Maria in Horto“ im Kontext der UNESCO-Welterbestätte Altstadt Goslar.
Als Grundlage für einen denkmalgerechten Entwurf wurde eine gartengeschichtliche Analyse vorgeschaltet. Das authentische Ambiente und die besondere Atmosphäre des mittelalterlichen Klosterkomplexes stehen im Fokus. Die Würdigung der erhaltenen Substanz aber auch die Aussicht auf zukünftige barrierearme Nutzungen spielen im neuen Ansatz eine wichtige Rolle.
Durch das konsequente Aufräumen des in die Jahre gekommenen Strauchbestandes wird der Blick auf die attraktive und geschichtsträchtige Architektur wieder ermöglicht und angemessen präsentiert. Die Weitläufigkeit des Raumes wird durch einfache Elemente wie die große Rasenfläche und das umlaufende, quadratförmige Wegesystem entwickelt. Die attraktiven Raumkanten und vorhandenen Großgehölze wie Magnolien und Maulbeerbaum werden wieder in Szene gesetzt.
Der Raum wendet sich schon beim Blick durch das historische Tor an der Rosentorstraße stärker den Besuchenden zu, um sie willkommen zu heißen.
Eine Wegerampe ermöglicht einen barrierearmen Zugang zum Garten. Die neue Ausrichtung der Beete nimmt Bezug zur axialen Ausrichtung der Gebäudeeingänge und erlaubt eine optimale Besonnung. Barrierearm zugängliche Aufenthaltsmöglichkeiten wurden in drei seitlichen Plätzen und im Zentrum geschaffen. Sie laden zum Ankommen, zum individuellen Entspannen oder zur Vermittlung der klösterlichen Pflanzenverwendung in kleineren Gruppen ein. An den Stirnseiten der von einem regionalen Handwerksbetrieb erstellten Hochbeete bieten sich multicodierte Sitz- oder Arbeitsflächen aus Holz an.
Ein Wassertisch aus Corten-Stahl im Zentrum bereichert die Atmosphäre mit einem beleuchtbaren Wasserspiel sowie einer dezenten Geräuschkulisse. Es wird ein mögliches Motiv der Klostergärten zeitgenössisch zitiert.
Das gesamte Planum wurde leicht aufgefüllt, um einen Eingriff in mögliche, archäologisch relevante Schichten sowie den Ausbau von harztypisch belastetem Boden zu verhindern.
Die hochwertige, als zeitgenössisch erkennbare Gestaltung ordnet sich durch ihre Schlichtheit der Materialien wie Stiefmutterkies, Rasen, unbehandeltem Robinienholz und Corten-Stahl der historischen Substanz unter. Es entsteht eine Atmosphäre, die Kontemplation und gartenbauliche Betätigung sowie zeitgenössische Nutzung als innerstädtische Grünfläche vereint.
Pflanzen aus der mittelalterlichen Literatur wie z.B. aus der Physica von Hildegard von Bingen sind zum besseren Verständnis nach den bekannten Schriften und jeweils gemäß ihrer Verwendungsmöglichkeit nach z.B. als Marien-, Heil- und Färberpflanzen gruppiert aufgepflanzt. Zur Steigerung der Raumwirkung sind höher werdende Arten zum Zentrum hin angeordnet. Duft wird als ästhetisch-intuitive Ebene des Erlebens durch die Auswahl der Kräuter integriert.
Die Planung für den zweiten Bauabschnitt u.a. mit der Terrassierung einer Rasenfläche mit Sandsteinquadern, die eine neue Durchlässigkeit vom Garten zur Neuwerk-Kirche und Raum z.B. für kleine Freiluftkonzerte bieten soll, liegt bis zur LP 6 zur Umsetzung vor.
Ein begleitend erarbeitetes Freiraumvermittlungskonzept berücksichtigt ausgehend von der Idee der Heilpflanzenvermittlung potenzielle kulturelle, bildungsorientierte und gastronomische Nutzungsmöglichkeiten für lokale und regionale Zielgruppen.
Die neugeschaffenen Werte sollen auf der Basis des begleitend erarbeiteten „Konzeptes zur Pflege des Gartens im denkmalgeschützten Kontext“ durch Entwicklungs- und Unterhaltungspflege gesichert werden.
Der Garten leistet einen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität und im Hinblick auf Klimafolgenanpassung und Hitzevorsorge wird seine Bedeutung weiter steigen.
Bereits im Jahr der Fertigstellung (2025) hielten sich wieder mehr Einheimische und Touristen unterschiedlicher Altersgruppen im Garten auf und die „WortWerker“ der Stiftung Maria in Horto nutzen ihn als Arbeitsort und Inspirationsquelle.
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Planungsbüros
freiraumforum schoelkopf
Hannover
Weitere Planungsbeteiligte
Planungsgruppe Stadtlandschaft
Claudia Krauss GartenBeratung & Gestaltung
Projektzeitraum
2021
- 2025
Größe
rund 2.000 qm
Auftraggeber
Stadt Goslar
Adresse
Rosentorstraße 19
38640 Goslar
Deutschland
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Projekttyp
Parkanlagen und Grünflächen
Gartendenkmalpflegerische Zielplanung, Parkpflegewerke
Sanierung von (historischen) Freianlagen