Kö - Bogen II

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© 2012  FSWLA FSWLA Kö - Bogen II Lageplan 

Kö - Bogen II


Der Kö - Bogen – die neue Stadt Landschaft!

Im Herzen der Stadt Düsseldorf entsteht eine neue, besondere und unverwechselbare Raumfolge. Bedeutende Teile der Innenstadt werden, auch unter geschichtlichen Aspekten wieder zusammengefügt.
Mit dem Abriss des Tausendfüßlers, dem Herausnehmen des Individualverkehrs und dem (Wieder-)Erfinden einer differenzierten städtebaulichen Struktur fügt sich zusammen, was zusammen gehört.
Leitidee – Stadträume nachhaltig neu beleben!
Ziel unserer Landschaftsarchitektur ist es, diese bedeutende Veränderung der Innenstadt durch Ausbildung interessanter Freiräume mit neuen Potentialen zu aktivieren und bisher getrennte Bereiche miteinander zu vernetzen. So entsteht ein unverwechselbarer Freiraumverbund mit maßstäblichen, einzigartigen Räumen…. neben Rheinufer, Hafen und Altstadt ein neuer, besonderer Ort mitten in Düsseldorf.

Düsseldorfs neue Innenstadt…
Mit dem Bau der U-Bahn werden Visionen Wirklichkeit.
…der Mensch als Maßstab!
Das (wieder) Erfinden einer differenzierten städtebaulichen Struktur, bestehend aus maßstäblichen Plätzen, in engem Netz miteinander verbunden, ist das Ziel dieses Vorschlags.
Dabei werden die wichtigsten Bauten dieses Bereichs der Innenstadt in einen sinnvollen Bezug zueinander gestellt, so dass Synergien entstehen und eine spannende fußläufige Verbindung der Stadträume untereinander entsteht!
Während die Aufgabe in der Schadowstraße eher die räumliche Stärkung der ohnehin vorhandenen Fußgängerströme ist, wird in der Nord-Süd-Richtung ein neuer Strom entstehen und der Martin Luther Platz neu entdeckt. Eine neue Attraktivität und ein Zusammenhang der wichtigsten Stadtelemente wird geschaffen: Hofgarten, Schauspielhaus, Schadowstraße, Einmündung der Immermannstraße, und Einmündung der Berliner Allee. Diese neuen Ströme werden in einen neuen, lang gezogenen Platz geleitet, der sich von der Hofgartenkante bis hin zu der Johanneskirche streckt.

Bauten – Das Erdgeschoss beleben!
Wohnflächen schaffen!
Der Wunsch eine neue Vernetzung von Strassen und Plätzen zu schaffen, mündet in einer Blockstruktur, die diese neuen städtebaulichen Aktivitätsräume unterstreicht. Die einzelnen Baufelder sind als additives System zu verstehen, mehrere Bauabschnitte auch unter Integration der Bestandsbaufelder sind möglich.

Neuer Freiraum – der Berliner Platz!
Zentrales Element ist der neu geschaffene Berliner Platz, der sich mit dem Wegfall des Tausendfüsslers als neue städtebauliche Achse von Nord nach Süd durch die Innenstadt spannt. Neue Gebäude entwickeln wichtige städtebauliche Bezüge und schaffen Raumkanten.
Zwischen Schadowstraße und Gustaf-Gründgens-Platz werden Gebäude mittlerer Höhe vorgesehen. Erdgeschoss und Tiefparterre bieten Raum für Einkaufsflächen, für eine Mischung aus größeren und kleineren Läden, die die Straßenfronten beleben. Im 1. Obergeschoss finden Büroräume Platz sowie weitere Einkaufsflächen nach Bedarf.
Über diesem klassischen, gewerblichen Sockel befinden sich 6-7 weitere Wohngeschosse, bestehend aus Geschosswohnungen, Maisonnettewohnungen mit Freifläche über den Dächern der gewerblichen Nutzung, und Maisonettes mit einer Dachterrasse. Eine neue Tiefgarage liegt unter dem Ensemble und jedes Gebäude hat einen direkten Zugang. Die Überbauung eines kleinen Teilbereichs der U-Bahn erfolgt ohne Lastabtragung auf der U-Bahn Decke.
Im Kreuzungsbereich Schadowstraße und Berliner Platz entsteht ein offener Platzraum der auch für Märkte und Veranstaltungen genutzt werden kann, betont lediglich durch das Kunstkonzept der U-Bahn. Auf dem Berliner Platz stehen eingeschossige Pavillons für Ateliers, Markthändler, Büdchen in einem ruhigen Baumraster aus geschnittenen Platanen, der für Düsseldorf so typischen Baumart!
Als Anfangs- und Endpunkte des Berliner Platzes dienen zwei eingeschossige Solitärgebäude mit Öffentlichkeitscharakter:
Das Fenster zum Hof(garten) im Norden beinhaltet ein neues Restaurant mit einem überragenden Ausblick.
Der Johannespavillon im Süden, dient als Jugendtreff und Cafe. Dieser Baukörper nimmt dabei die historische Platzkante wieder auf, um den Raum maßstäblich zu fassen, ohne eine Konkurrenz zur Kirche zu schaffen. Die Straßenführung orientiert sich ebenfalls an der historischen Situation, alternativ ist auch der bisherige Straßenverlauf weiterhin möglich.

Hofgarten – Vergangenes wird Zukunft!
Der Hofgarten erhält als überragendes Parkdenkmal wieder sein ursprüngliches Gesicht, d.h. die Promenade wird entsprechend dem historischen Entwurf bis zum Jägerhof hergestellt, die Düssel wird an die Landskrone angebunden, Wegeführungen logisch ergänzt bzw. wiederhergestellt und die Blickachse auf die goldene Brücke wieder freigestellt.
Eine obere und eine untere Promenade mit langgestreckten Sitzbänken entwickelt sich entlang der neuen Bebauung KÖ – Bogen I, der Hofgarten als Bühne, was für ein Ausblick!

Kö – Ende und Auftakt zugleich!
Die Kö erhält die seit Jahrzehnten gewünschte, wichtige Anbindung an den Hofgarten. Eine großzügige Treppenanlage und eine behindertengerechte Rampe verbinden die Kö wieder mit dem Hofgarten. Mögliche historische Spuren werden als artifizielle, metallische Corten-Stahlstrukturen auf der Belagsoberfläche eingeblendet.

Schadowstraße – Einkaufen macht wieder Spaß!
Die in die Jahre gekommene Schadowstraße wird erneuert. Baumreihen und eine neue Oberflächengestaltung mit Betonstein rhythmisieren den Raum, Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Frischgrüne Gleditsien setzen auf der Schadowstraße Akzente. Eine neue Flaniermeile entsteht, in der Fußgänger Vorrang haben und Einkaufen einfach Spaß macht.

Gustav–Gründgens–Platz… endlich!
Der Gustav – Gründgens – Platz erhält entsprechend seiner Bedeutung eine neue Oberflächengestaltung. Weißer, geschliffener Beton mit eingelassenen Theaterzitaten aus Edelstahl die bis zum Berliner Platz laufen, schafft eine neue Wahrnehmung des Platzes. Sitzbänke nehmen dabei die Formensprache des Theaters auf, bieten Augenblicke des Verweilens. Wasserfontänen als heiteres Spiel inszenieren und beleben diesen Platz zusätzlich. Eine Veranstaltungsfläche entsteht, die nunmehr durch klare Raumkanten definiert ist. Die Fallwinde auf dem Platz werden durch die neuen Gebäude erheblich gemindert.

Schadowplatz – neue Raumkanten!
Der Schadowplatz bleibt auch aufgrund des sehr beliebten Weihnachtsmarktes großzügig befestigt, erhält aber in seiner Mitte zur Betonung eine ungebundene Decke und neue Bänke in den Randbereichen sowie einige neue Solitärbäume.

Tuchtinsel – sieht Land!
Die Tuchtinsel ist das verbindende Element zwischen Nord und Süd, Ost und West. In der Höhe setzt es neue städtebauliche Akzente. Vom Autoverkehr befreit, entstehen neue urbane Räume. Breitere Fußgängerbereiche bieten neue Möglichkeiten im Erdgeschoss.
Die neuen Baukörper entlang des Berliner Platzes nehmen die Sichtachse der Berliner Allee und der Immermannstraße auf. Durch die Unterbrechung in zwei Baukörper wird die historische Bebauungskante Klosterstraße wiederhergestellt und der geplante neue Hauptsammler respektiert.
In den Erdgeschossflächen befinden sich kleinere Cafés oder Läden in einer aufgelockerten, leicht veränderbaren Struktur. In den Obergeschossen befinden sich Geschoss- und Maisonettewohnungen. Der 40 Meter hohe Baukörper schafft als neuer städtebaulicher Hochpunkt den räumlichen Abschluss und greift die Sichtachsen Berliner Allee und Immermannstraße auf.

Johanneskirche – grüne Oase!
Das Umfeld der Johanneskirche wird neu gegliedert. Baumalleen und Rasenflächen schaffen ein neues eigenes Umfeld für diese wichtige Kirche mitten in der Stadt. Der Eingeschossige Johannespavillon bildet die historische Raumkante nach ohne die Kirche zu verstellen. Der Martin Luther Platz wird nach Südosten mit einem Baukörper räumlich gefasst, bleibt ansonsten als Denkmal unangetastet.

Materialität – weniger ist mehr!
Bäume, Bänke, Leuchten, Oberflächen folgen einem Materialkanon…Anthrazitfarbenes Betonsteinpflaster in variierenden Rechteckformaten (1,12 x 70, 80 x 50 und 64 x 40), ungebundene Decke auf dem Berliner Platz unter den Platanen, Ausstattungselemente und Leuchten in Eisenglimmer sind wohltuend zurückhaltend.
Ziel ist es mit wenigen unterschiedlichen Materialen eine größtmögliche Homogenität zu schaffen indem der Mensch im Vordergrund steht.
Die Straßenbahngleise werden überwiegend mit Rasen begrünt. An den Übergängen, und entlang des Berliner Platzes sorgen Stahlbügel und Betonblöcke für die notwendige Sicherheit und Abgrenzung.

Licht – Raum für Höhepunkte!
Das Licht betont Prioritäten und schafft Maßstäblichkeit: Niedrig montierte Lichtquellen beleuchten die Fußgängerbereiche, höher liegende Lichtquellen die befahrenen Achsen. Während dies behaglichen Sehkomfort durch brillantes, weißes und blendarmes Licht schafft, werden die Achsen der Schadowstraße und der Berliner Allee freundlich herausgehoben. So bleiben sie selbst im visuellen Ensemble des Berliner Platzes stets ablesbar. Die Betonung des sommerlichen Blätterdaches der Baumbepflanzung erfolgt nicht aus dem Boden, sondern als Zusatzkomponente aus den Mastleuchten oberhalb der Augenhöhe. Inszenierung durch Wirkung ohne sichtbare Ursache!

In der Nähe des Schauspielhauses verdichten sich im Boden eingelassene Spruchbänder, die am Abend sanft leuchten. Nähert sich der Betrachter wechseln sie gemächlich die Farbe hin zu einem ätherischen Blau, das wieder verblasst, wenn der geneigte Leser sich entfernt – etwa um kontemplativ auf einer der unterleuchteten Bänke Platz zu nehmen. Dabei wird das Schauspielhaus zu seiner eigenen Bühne und darf bewundert werden. Farbe ist angebracht!

Inmitten des Martin-Luther-Platzes hat die Johanneskirche erneut ihren geborgenen Ort gefunden – Entfaltungsraum für viele Ausblicke auf die sanft mit Licht betonte, bewegte Fassade. Lichtmasten frieden den städtebaulichen Raum ein und erzeugen das Gefühl von Sicherheit und Aufenthaltsqualität.

Majestätisch und zurückhaltend mit Licht betont setzt der Corneliusbrunnen den Endpunkt der Kö’. Diese geht in die neu entstandene Promenade über, die auch die facettierten Fußgängerleuchten aus der Kö’ fortführt – jedoch in ertüchtigter Form mit neuer Bestückung für mehr Brillanz und mehr Entblendung. Diese sind parkseitig montiert, um den freien Blick in die Parklandschaft des Hofgartens und der Landskrone zu ermöglichen.

Statikkonzept – Die Röhre nutzen!
Während der U-Bahn Decke keine Lasten abtragen kann, können die neuen Tunnelbauwerke so ausgelegt werden, dass diese noch zusätzliche Lasten aufnehmen und somit als Gründungsebene für die Neubauten dienen. Bei der Planung sind neben diesen Straßenverkehrsbauwerken auch die Tiefgarage des Schauspielhauses und des Thyssen-Hochhauses berücksichtigt worden.

Für den vertikalen Lastabtrag der Neubauten wurden verschiedene Tragwerkskonzepte entwickelt. Für den Neubau, der über den neuen U-Bahnhof auskragt, wird ein Tragwerk mit einer tragenden Aussenwand vorgeschlagen. Dies kann entweder über eine massiven Lochfassade als Vierendeel-System erreicht werden, was mit einer Beschränkung der Größe der Fensteröffnungen einhergeht, als Variante kann aber auch ein Fachwerk in die Fassade integriert werden, was eine Reduktion der Tragelemente und damit eine offenere Fassade ermöglicht. Die Geschoßdecken der Einzelhandelsflächen werden dabei über Hängestützen nach oben gehangen, so dass die Fassadenflächen weitestgehend verglast ausgeführt werden können. Als weitere Variante ist unter Umständen eine direkte Auflagerung über den oberhalb der U-Bahn verlaufenden Tunnel möglich, so dass die oberirdische Konstruktion konventionell ohne Abfangkonstruktion ausgeführt werden kann und der Autotunnel entsprechend ausgelegt wird.

In Bereichen, wo es kleinere Überschneidungen zwischen den Neubauten und dem Bestand geben wird, können über die Schotten der Wohnungstrennwände die erforderlichen Auskragungen erreicht werden, um Gründungen auf dem Bestand zu vermeiden, da dies voraussichtlich umfangreiche Verstärkungsmaßnahmen zur Folge hätte. Wenige neue Stützen in Bereich der Bordsteinkanten werden das Tragsystem zusätzlich entlasten.

Parken – mehr Parkraum!
Unter den Neubauten werden mehrgeschossige Parkhäuser vorgesehen. Die Erschließung dieser verläuft über die heutige vorhandene aber unterirdisch neu angeschlossene Garagenzufahrt des Gustav-.Gründgens–Platz. Die neue Parkgarage unter den Tuchtinsel kann durch ein Tunnel (Ebene -2 im Diagramm) direkt unterhalb der geplanten Autotunnel (Ebene -1), oberhalb der U-Bahn Linie (Ebene -3), erschlossen werden. Alternativ kann man prüfen, in wie fern die Parkplatzkapazität der benachbarten Kaufhäuser erlaubt, das Parkfläche für Bewohner der Tuchtinsel zu Verfügung stehen. Unterirdische Zugänge würden einen sicheren Fußgängeranschluss anbieten.

Planung

FSWLA
Thomas Fenner I Jörg Weisser

Bergische Landstraße 606
40629 Düsseldorf


Projektinformationen

Projektzeitraum
2009 - 2017

Größe
121.000 m²

Bausumme
22.000.000 €

Auftraggeber • Bauherr
Landeshauptstadt Düsseldorf, Dezernat für Planen und Bauen

Adresse
Königsallee 2
40212 Düsseldorf


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