Volkspark Landeshauptstadt Kiel

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©  Siller Landschaftsarchitekten BDLA Gestaltungsplan 

©  Arne Biederbeck Volkspark Landeshauptstadt Kiel 

©  Arne Biederbeck Volkspark Landeshauptstadt Kiel 

©  Arne Biederbeck Volkspark Landeshauptstadt Kiel 

©  Arne Biederbeck „Bärenzwinger“ an der Historischen Wegeachse 

©  Arne Biederbeck Wasserbecken an der Historischen Wegeachse 

©  Arne Biederbeck Wasserbecken an der Historischen Wegeachse 

©  Arne Biederbeck Wasserbecken an der Historischen Wegeachse 

©  Arne Biederbeck Wasserbecken an der Historischen Wegeachse 

©  Arne Biederbeck Kinderspielplatz 

©  Arne Biederbeck Kinderspielplatz 

©  Arne Biederbeck Kinderspielplatz 

©  Arne Biederbeck Teilausschnitt Historische Wegeachse 

©  Arne Biederbeck „Gestrandetes Holzschiff“ auf dem Kinderspielplatz 

©  Arne Biederbeck Kinderspielplatz 

Volkspark Landeshauptstadt Kiel Historischer Park, Landschaftsarchitektur, Restaurierung, Neuinterpretation, sozialer Grünraum


Die Restaurierung des fast 110 Jahre alten Kieler Volksparks ist ein wichtiges Signal für die Stadtteile auf dem dicht bebauten Kieler Ostufer. Das Kulturdenkmal aus der Kaiserzeit und der Weimarer Republik wurde nach Plänen der Landschaftsarchitekten Siller, Kiel, behutsam restauriert und mit klarer Gestaltung unter historischen Gesichtspunkten neu strukturiert.
Vorhandene Gegebenheiten konnten aufgegriffen und mit modernen Materialien der Freiraumgestaltung wieder deutlich gemacht werden. Schwerpunkte bei der Restaurierung bildeten der Wegebau, das historische Planschbecken sowie ein neuer Spielplatz. Die wichtigste Maßnahme betraf das Rückgrat der Anlage, den Promenadenweg auf der Höhe. An der natürlichen Topographie orientiert verläuft er geradlinig und betont die Höhenunterschiede des Geländes.
Ästhetische Ereignisse erschließen sich durch Blickbeziehungen. Die Anlage öffnet sich von den Endpunkten der langen gerade Wegeachse zu den Industrieanlagen der Werft und zum Zentrum der Stadt mit dem charakteristischen Türmen der St. Nicolai Kirche und des Rathauses.
Das restaurierte Planschbecken und ein großer Spielplatz mit modernsten Geräten stehen den jüngsten Parkbesuchern zur Verfügung. Der angrenzende Staudenhügel, Ruhezonen, Liegewiese sowie Bereiche für Ballspiele bieten allen Parkbesuchern die Möglichkeit zur Erholung oder sportlichen Betätigung.

Historische Hintergründe des Kulturdenkmals

Das Kieler Ostufer der Förde ist der traditionelle Standort der Werften. In der Kaiserzeit wuchs ab 1871 mit der Schiffbauindustrie auch die Einwohnerzahl Kiels enorm. Nördlich des heutigen Kieler Stadtteils Gaarden wurde das Fischerdorf Ellerbek für die Erweiterung der Werften niedergelegt. Doch eine wichtige Freifläche konnte vor weiterer Bebauung gerettet werden und es entstand der „Stadtpark des Ostufers“. Der ab 1893 angelegte Werftpark diente seit seiner Fertigstellung sechs Jahre später vor allem den Werftarbeitern als Vergnügungs- und Erholungsort.

Das hügelige, ca. 14 Hektar große Gelände fällt zum Fördeufer mit den Anlagen der Werften steil ab. Ein Fest- und Versammlungsgebäude im Landhausstil auf der Anhöhe im Zentrum des Parks mit Aussichtsturm, Saal, Bühne, Gesellschaftsräumen, Kegelbahn, Terrasse und Veranda diente für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Ein Wasserturm mit anschließendem Zwinger für drei Braunbären, ein kleiner Teich mit Ziergeflügel sowie ein 1904 transloziertes, zweihundert Jahre altes „Ellerbeker Fischerhaus“ als Freilichtmuseum waren die besonderen Attraktionen des Parks. Am Rande lagen ein Rasen-Tennisplatz sowie ein Jugendspielplatz. Das geschwungene Wegenetz, besondere Bäume, diverse Gehölzkulissen und Denkmäler komplettierten die Anlage im landschaftlichen Stil, die sich am damals üblichen Typus eines öffentlichen Stadtparks orientierte.

Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Schiffbau in eine Krise und 1921 erwarb die Stadt den Werftpark, um unter den veränderten politischen und sozialen Bedingungen für seine dauerhafte Erhaltung und öffentliche Nutzung zu sorgen. Die dicht bebauten Arbeiterviertel des Kieler Ostufers waren mit aufwändigen Grünflächen nur sparsam ausgestattet. Unter Leitung des technischen Stadtrats Willy Hahn (1887-1930) wurde aus dem Werftpark nun ein zeitgemäßer praktischer Nutzpark nach sozialen Gesichtspunkten. Den Jugendspielplatz gestaltete man zu einem großen, hippodromförmigen Sportplatz um und richtete an anderer Stelle ein Luftbad mit Planschbecken für die Kinder ein. Das marode kaiserzeitliche Versammlungshaus wurde zu einem modernen Jugendheim umgebaut. Die landschaftlichen Partien änderten ihr Erscheinungsbild bei der radikalen Umgestaltung zugunsten von geometrisch-räumlichen Strukturen. Parallel zum steilen Förderand legte Hahn eine abfallende und wieder ansteigende, geradlinige Wegestruktur an, die in ihrer Mitte eine Terrasse mit Aussicht auf Planschbecken und Liegewiese bot.


Revitalisierung des Volksparks

Nach erheblichen Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkrieges konnte die Grünanlage nur oberflächlich wieder hergerichtet werden. Der Park erhielt 1947 seine heutige Bezeichnung „Volkspark“ und das zentrale Gebäude wurde 1960 zu einem Veranstaltungshaus eingerichtet. Seit 1988 ist das erfolgreiche „Theater im Werftpark“ in diesem Haus beheimatet. Als Kinder- und Jugendtheater der Bühnen der Landeshauptstadt Kiel spielt es insbesondere für den theaterbegeisterten Nachwuchs. Eine zweite Phase der Revitalisierung des Volksparks begann um 1990, als zum 750jährigen Jubiläum der Stadt Kiel ein aufwändiges Staudenbeet neu geschaffen wurde.

Seit 1999, dem Jahr des einhundertjährigen Jubiläums, begann eine behutsame, an historischen Plänen von Willy Hahn orientierte Restaurierung des Kulturdenkmals. Zwischen 2001 und 2006 konnte der Volkspark in mehreren Bauabschnitten nach Plänen der Landschaftsarchitekten Siller, Kiel, mit Hilfe von Fördergeldern der Projekte „Soziale Stadt“ und „Urban II“ rekonstruiert werden.

Schwerpunkte bei der Restaurierung bildeten der Wegebau, das historische Planschbecken sowie ein neuer Spielplatz. Die wichtigste erste Maßnahme betraf das Rückgrat der Anlage, den Promenadenweg auf der Höhe parallel zum Steilhang. An der natürlichen Topographie orientiert verläuft er geradlinig und betont die Zeitschicht um 1925 mit ihren gartenreformerischen Bestrebungen. Der Höhenunterschied von der zentralen Terrasse über dem Planschbecken zu den Endpunkten der geraden Achse wird durch eine dreifach gestufte schlichte Treppenanlage überwunden. In diesem Fall erfolgte der Wegebau mit einer hellen strukturierten Betonplatte. Die geradlinig starre Ost-West-Achse verspringt zweifach. Sie führt auf der einen Seite zum Ort des ehemaligen Bärenzwingers mit Wasserturm sowie auf der anderen Seite zu einem herrlichen Aussichtspunkt auf die Stadtkulisse. Die Freistellung weiterer Schaufenster entlang der Wegeachse vervollkommnet die optische Einbettung in den pulsierenden urbanen Raum. Die natürliche Reliefstruktur des Geländes und die besonders attraktive Lage des Parks ist somit wieder deutlich erfahrbar.

Geraden Hainbuchenhecken, die quasi die untere Rahmenleiste der Blickfenster bilden, begrenzen den Weg zum steilen Abhang. Hier erschließen sich ästhetische Ereignisse durch wieder freigelegte Sichtbeziehungen. Die Anlage öffnet sich am östlichen und westlichen Ende der langen linearen Wegeachse einerseits zum Industrieraum, andererseits zum Stadtraum. Im Nordosten liegen die Industrieanlagen der Werft, zu der viele Nutzer der Anlage in irgendeiner Beziehung stehen. Im Nordwesten wird der Blick über den Norwegen Fährterminal zum Zentrum der Stadt mit den charakteristischen Türmen der St. Nicolai Kirche und des Rathauses geleitet.

Die etwa 250 Meter lange geradlinige Wegeachse eignet sich– gleich einer Bühne – einerseits zum promenieren, andererseits bildet die Terrasse wie ein Balkon einen zentralen Ruhepunkt zum Blick in die Parklandschaft oder zur Beobachtung der Kinder im Planschbecken und auf dem Spielplatz. Die Spiellandschaft mit ihren flüssigen runden Formen und einem gestrandeten Holzschiff inspiriert die Kinder zu Piratenspielen und anderen Aktivitäten, die mit Wasser und Seefahrt verbunden werden. Die Anlehnung der Wiederherstellung an die historische Entwicklung erzielte eine deutlich spürbare Attraktivitätssteigerung der Gesamtanlage.

Der Haupterschließungsweg des Volksparks durchläuft den Park von Ost nach West und führt den Besucher wie selbstverständlich mit leichten Kurven und sanften Steigungen über das natürlich gewellte Gelände. Der Weg mit wassergebundener Decke nimmt den historischen Verlauf auf und verschafft dem Parknutzer Überblick und Orientierung in alle Bereiche der Anlage. Das 2006 wieder eingeweihte Planschbecken sowie der große Spielplatz mit modernsten Geräten stehen den jüngsten Parkbesuchern zur Verfügung. Der Staudenhügel, Ruhezonen, Liegewiese sowie Bereiche für Ballspiele bieten allen Gästen des Parks die Möglichkeit zur Erholung oder sportlichen Betätigung. Und auch der Vorplatz sowie die Wege um das „Theater im Werftpark“ konnten schlicht und funktional neu gegliedert werden.

Mit den Maßnahmen wurde eine nachhaltige Hervorhebung der Qualitäten des Volksparks in Kiel bewirkt. Die Gestaltungsmaßnahmen können als Beispiel für eine gelungene Sanierung angeführt werden, die von allen Schichten und ethnischen Gruppen der Bevölkerung positiv beurteilt und angenommen wird. Die vielfältigen Nutzungsangebote bieten in moderner zeitgenössischer Formensprache den Anwohnern der benachbarten Stadtteile den nötigen grünen Freiraum. Eine Weiterentwicklung der Parkanlage mit innovativen Gestaltungselementen an dem Teich und am Rande des alten Baumbestandes sowie angrenzender Wegeverknüpfungen ist als Entwurf durch die Landschaftsarchitekten Siller vorgeschlagen worden.

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Annemarie Siller

Silke Wolken-Siller

Maria von Perger

Planung

Siller Landschaftsarchitekten
Arne Siller, Ulrich Siller

Beseler Allee 57
24105 Kiel


Projektinformationen

Projektzeitraum
2001 - 2006

Bausumme
Freiraumarchitektur ca. 800.000,- €

Auftraggeber • Bauherr
Stadt Kiel „Grünflächenamt“

Adresse
Ostring 187A
24143 Kiel


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